Fotograf…Traumjob, oder Flop?

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Betrachtet man einmal den Berufstand der Fotografen näher, hat sich in den letzten Jahren doch schon sehr viel verändert, leider auch sehr viel zum Negativen. Mit dem Beginn der digitalen Fotografie spülten immer mehr Quereinsteiger in unseren Beruf, die irgendwo im Keller, oder im Wohnzimmer anfingen zu fotografieren, und sich nach kurzer Zeit schon für den neuen Peter Lindbergh hielten.

Mit Spottpreisen und einer eher schlechten Qualität schafften sie es aber tatsächlich ein großes Sterben von Fotostudios auszulösen. Viele Fotografen waren dem Preiskampf der beginnenden „Geiz ist geil Generation“ nicht gewachsen. Zumal der Fotografen Beruf auch nie richtig geschützt war, jeder Hunz und Kunz durfte auf einmal fotografieren, und das auch noch ganz offiziell. Wozu sich auch lange mit einer 3,5 jährigen Ausbildung, oder gar mit dem Meisterkurs auseinandersetzen?

Somit musste die ganze Branche umdenken, neue Strategien entwickeln, um auf dem heftig umkämpften Markt zu bestehen. Entweder man war so spezialisiert in einem Teilbereich der Fotografie, oder so breit aufgestellt, dass man über die Menge der Aufträge auf dem Markt bestehen konnte. Während man früher eher vermieden hat in zu vielen Bereichen Werbung zu machen, versucht man heute sich eher in einem breiten Spektrum aufzustellen. Kann ein guter Autofotograf auch gut in der Peoplefotografie sein? Ja, er kann…

Die rasante Entwicklung von immer noch schnelleren, besseren Digitalkameras, richtigen „Pixelboliden“, mit unglaublich schnellen Autofocussystemen und nur noch minimalem Bildrauschen, auch bei dunkler Nacht bedeutete aber natürlich nicht nur Negatives. Die Fotografie hat sich schon deutlich weiterentwickelt, was natürlich auch auf die viel größeren Möglichkeiten der Technik zurück zu führen ist. Auch die Postproduction, mit zahlreichen super Computerprogrammen ist natürlich faszinierend, und bietet ebenfalls wieder Möglichkeiten sich von der breiten Masse abzuheben.

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Schwieriger ist aber definitiv der Preiskampf geworden. Durchschnittsbürger ist natürlich bereit für einen Kundendienst an seinem liebsten Baby, dem Auto 300 bis 500€ zu zahlen. Da bekommt er ja schließlich auch neues Öl und evtl. sogar noch neue Wischerblätter dafür, aber für eine halbe Stunde Arbeit, meistens durch einen Lehrling ausgeführt, finde ich das schon ne Menge Holz. Oder der Schornsteinfeger, der vor kurzem bei uns war, knapp 15min. Kurze Zeit später flattert eine Rechnung von 120 Tacken ins Haus. Aber alles Dinge die man machen muss, ist nunmal so. Da gibt man das Geld schonmal für aus. (Nicht falsch verstehen, auch diese Branchen haben es sicher nicht einfach).

Wer baucht da schon gute Bewerbungsbilder für 50€. Ganze Foren werden mit diesem Thema gefüllt. 50€, so viel geht gar nicht, etc… Die 50€ investiert ihr ja auch nur in eure weitere Zukunft, wer braucht das schon? Bedenkt man eine halbe Stunde Vorbereitungszeit , ca. 45min bis ne Stunde Fotografie, min. ne weitere Stunde Nachbearbeitung, um Pickel, Hautunreinheiten etc. zu entfernen, um dem Kunden eine bestmögliches Ergebnis zu liefern, sind wir schnell bei einem ungefähren Stundenlohn von 17€, und das noch ohne jegliche Abzüge! Und ich spreche hier nicht von Fotostudios, die seit 20 Jahren ihre Lampen und die Kamera an der gleichen Stelle stehen haben, und nach knapp 15min eher schlechte wie rechte Bewerbungsbilder ausdrucken, aber das ist ein anderes Thema. Eine Gesellenstunde liegt in einer Autowerkstatt bei rund 70 bis 80€, eine Meisterstunde weitaus höher. Hinzu kommen noch die oben erwähnten Quereinsteiger, die im Wohnzimmer natürlich günstiger anbieten können, wie ein Laden- oder Studiobesitzer. Die Qualität ist da erstmal zweitrangig, es gibt ja schließlich Photoshop. Das die Qualität dann doch ne Rolle spielt, haben mittlerweile zum Glück die Firmen erkannt, denn aus keiner Qualität kann auch Photoshop nur schwer was rausholen.

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Kleiner Gedankensprung:

„Onkel Anton hat jetzt auch ne neue Spiegelreflexkamera, der kann doch die Hochzeit locker fotografieren, der macht ja auch immer so tolle Urlaubsbilder“. Ende vom Lied sind Anrufe am Samstag Mittag, ob man nicht doch kurz 2 Stunden noch Zeit hat, um das Brautpaar abzulichten, weil bei Onkel Antons Kamera irgendetwas nicht stimmt. Die Warnung, die man dem Brautpaar vor einigen Wochen bei einem zweistündigen kostenlosen Gespräch am Freitag Abend in die Richtung gegeben hat, scheint völlig aus dem Gedächtnis gestrichen worden zu sein. Das nur mal so am Rande.

In einer immer visueller lebenden Gesellschaft sind aber Bilder natürlich nicht wichtig, wozu auch. Man verkauft im Prinzip eine Dienstleistung, oder eine Idee, aber was ist die wert? Für mich ist die Fotografie ein super Beruf, ein Traumberuf. Trotzdem steckt viel mehr Arbeit dahinter, wie viele vermuten. In der Werbefotografie sind Arbeitszeiten von 60ig Stunden keine Seltenheit, eher Normalität. Von der Bezahlung her bewegen sich Fotografen im Angestelltenverhältnis eher auf der Ebene von den ganzen sozialen Berufen, die meiner Meinung nach auch deutlich unterbezahlt sind, für das was sie leisten. Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten. Pressefotografen, oder auch Bildredakteur gennant: Meist frei arbeitend, mega stressiger Job, weil oft nach veröffentlichten Bildern bezahlt. Bei Firmen festangestellt, gibt es leider nur ganz selten. Die Selbstständigkeit, in die verschiedensten Bereiche aufgesplittet. Dies waren nur ein paar wenige Möglichkeiten.

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Wenn mich Praktikanten fragen, rate ich ihnen immer davon ab Fotograf zu werden. Auch wenn ich den Beruf wirklich liebe.

Mittlerweile ist es ja auch immer schwieriger den Beruf zu erlernen, die Ausbildungsplätze sind sehr rar geworden, also bleibt oft nur der Quereinstieg.

Noch vor einiger Zeit hätte ich in Bezug auf meinen Beruf gesagt, dass ich alles wieder so machen würde, da bin ich mir aber mittlerweile nicht mehr so sicher. Wie ihr seht, kann man zu dem Thema so viel schreiben, so viel hin und her springen wie ich jetzt. Dies spiegelt ungefähr wieder, wie viele Gedanken ich mir um dieses Thema mache. Wie man mit der rasanten Entwicklung mitgehen kann, welche Wege und Möglichkeiten gibt es noch, etc…., um sich zumindest einen kleinen Teil eines wirklichen Traumjobs zu bewahren. Den Teil, in dem man tolle Menschen kennenlernen durfte, an wunderschönen Orten fotografieren durfte, sich in diesem Moment bewusst wird, wie schön diese Augenblicke auch sind. Plätze, Orte oder Firmenbereiche gesehen hat, die andere Menschen wahrscheinlich nie sehen werden. Kein Tag wie jeder andere ist…. Gedanken über Gedanken….

Und wohlgemerkt, diese Gedanken macht man sich ständig, wie jetzt gerade, Sonntag früh 5 Uhr!!!!

 

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